Melchisedek II – Der Hohepriester und seine Gewänder

Bibeltext: 2. Mose 28,7-38


Einleitung: Die Priestergewänder

Im ersten Teil dieser Serie haben wir gesehen, wie Abraham durch die Begegnung mit Melchisedek eine revolutionäre Glaubenserfahrung machte.
Er erkannte, dass er einen himmlischen König und einen ewigen Hohenpriester hatte. Auf dieser Grundlage konnte er den wahren Glauben erfassen und wurde durch den Glauben als gerecht angerechnet.

In dieser Serie betrachten wir die priesterliche Gestalt Melchisedeks, wie sie Abraham erschien, und beleuten noch genauer. Denn wenn wir die Rolle und das Wesen dieses Priesters verstehen, werden auch wir – wie Abraham – durch den Glauben vor Gott gerechtfertigt und gesegnet werden.


Die Rolle und Bedeutung des Priesters

Der fundamentale Unterschied: Prophet und Priester

Was ist die Aufgabe eines Priesters? Während ein Prophet die Aufgabe hat, Gottes Herz zu den Menschen zu übermitteln, steht der Priester wie ein Anwalt auf unserer Seite und öffnet uns den Weg, damit wir ohne Bedenken vor Gott treten können.

Der Priester bringt die Probleme der Menschen von menschlicher Seite aus vor Gott. Aber der Prophet vertritt Gottes Seite und offenbart Gottes Willen und deckt durch das Wort Sünden auf, um zur Buße zu führen. Wenn die Menschen dann erkennen, dass sie Sünder sind, kommen sie mit Opfertieren zum Priester. Der Priester überträgt ihre Sünden auf die makellosen Tiere, sodass die Sühnopfer stellvertretend die Strafe empfangen. So werden sie von der Sünde befreit und mit Glauben zurückgesandt. Das ist die Arbeit des Priesters, des königlichen Priesters.

Der Priester ist wie ein Vermittler, der beide Seiten gut kennt und Verbindung schaffen kann.

Unser Hohepriester Jesus Christus

Stellen Sie sich vor: Was wäre, wenn heute Jesus Christus als Hohepriester vor Ihnen erscheinen würde? Das Entscheidende ist nicht, dass wir nur theorisches Wissen über den Priester sammeln, sondern dass der Hohepriester Jesus Christus real vor uns steht.

Als würden wir seine Gestalt tatsächlich sehen – Gott zeigt uns Jesu Wesen so feinfühlig durch die Gewänder des Priesters. In 2. Mose 28 werden die Gewänder des Priesters detailliert beschrieben. Lasst uns zusammen Melchisedek entdecken, der vor Abraham als Schatten Jesu Christi stand – die Gestalt jenes Priesters durch die Gewänder des Hohenpriesters!


Die Gestalt des Hohenpriesters – Offenbarung durch die Priestergewänder

1. Die Schulterstücke – Verantwortung und Schutz

Die Schulter – Symbol der Verantwortung

Auf diese Schulterstücke sollten die Namen der 12 Söhne Israels eingraviert werden. Die Schulter ist der Ort, wo wir Lasten tragen – sie symbolisiert Verantwortung. Gott sagt damit: „Ich übernehme die Verantwortung für alles an dir.“

Als Hohepriester hat Jesus die Aufgabe, Sühne zu vollbringen. Weil wir Menschen durch unsere Sünden von Gott getrennt sind, können wir nicht mutig zu Gott beten und haben oft keinen Glauben, dass Gott unsere Gebete erhören wird. Die Rolle des Hohenpriesters ist es, diese Sünden durch sein Opfer zu vergeben. Deshalb ist es seine letztendliche Aufgabe und sein Ziel, dass wir ohne jede Bedenken mutig vor Gott stehen können.

Jesus trägt unsere Sünden

Jesus übernimmt alle Verantwortung für die Sünde, die wir selbst begangen haben und deren Verantwortung wir selbst tragen müssen. Dafür trug er alle Sünden auf seinen Schultern. Er nahm alle unsere Sünden auf sich und ging ans Kreuz. Weil Jesus Christus alle unsere Sünden auf sich genommen hat, sorgte er dafür, dass keine Sünde mehr in uns zurückbleibt. Die Schrift sagt deutlich, wo sich alle unsere Sünden befinden – nämlich auf IHM:

„Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Schuld auf ihn.“ (Jes 53,6)

Das Lamm Gottes aus Johannes 1,29, das die Sünde der Welt hinwegnimmt, trug die Sünde, die es auf seinen Schultern getragen hatte, bis zum Kreuz, und Jesus vergab alle diese Sünden am Kreuz.

Die Einheit mit Christus

„Nachdem seine Seele Mühsal erlitten hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben; durch seine Erkenntnis wird mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen, und ihre Sünden wird er tragen.“ (Jes 53,11)

Dieser Vers bedeutet: Er, Jesus, der Gerechte, hat uns mit sich zu einem gemacht. Jesus hat uns heilig gemacht wie er selbst heilig ist, und uns gerecht gemacht wie er selbst gerecht ist.

2. Das Brustschild – In Gottes Herzen eingraviert

Der neue Bund im Herzen

Gott gab uns Christi Vollkommenheit, Gerechtigkeit und Heiligkeit. Wenn wir das im Glauben annehmen, werden unser Herz und Gottes Herz eins. Wir begegnen uns im Herzen.

„Ich will meine Gesetze in ihre Herzen geben und sie in ihre Sinne schreiben.“ (Hebr 10,16)

Gott begegnen wir durch Glauben im Herzen. Gottes Gesetze, die hier stehen, sind selbstverständlich der Bund, der im folgenden Vers 17 kommt:

„An ihre Sünden und ihre Gesetzlosigkeiten will ich nicht mehr gedenken.“

Das ist der neue Bund, der durch Jesus in Kraft gesetzt wird, indem er Gottes Willen erfüllt. Das in Gottes Herz eingravierte Gesetz will er auch in unser Herz geben. Das ist das Gesetz, unsere Sünden nicht mehr zu gedenken. Wenn dieses Gesetz von Gott auch in unserem Herzen aufgerichtet und aufgeschrieben wird, dann begegnen sich Gott und wir im Herzen.

Wie Abraham zur Gerechtigkeit gelangen

Nachdem Abraham diesen Hohenpriester Melchisedek traf, glaubte er in der nächsten Stelle dem Herrn, und Gott rechnete den Glauben als Gerechtigkeit zu. Genauso glaubt man mit dem Herzen und gelangt zur Gerechtigkeit. Lassen Sie uns den Glauben haben, den Gott wie bei Abraham als Gerechtigkeit anrechnet.

„Denn mit dem Herzen glaubt man, um gerecht zu werden, und mit dem Mund bekennt man, um gerettet zu werden.“ (Röm 10,10)

Fest verbunden mit Gott

Jedes Mal, wenn der Hohepriester ins Heiligtum ging, musste er das Brustschild mit den eingravierten Namen Israels an seinem Herzen tragen. Das zeigt uns: Gott will unser Herz immer in seinem Herzen haben.

Dieses Brustschild war mit goldenen Ketten fest an die Schulterstücke gebunden, und unten war es mit blauen Bändern fest verbunden, damit es niemals abfallen konnte. Gottes neuer Bund und sein Versprechen, uns in seinem Herzen zu behüten, ist genauso fest.

Oben sind wir mit Gottes Autorität und Herrlichkeit verbunden, und unten hat er uns mit seinem Wort an den Gürtel der Wahrheit gebunden. Wir sind bereits an Gottes herrliche Autorität gebunden und mit Gottes Verheißungen verbunden. Wie wunderbar! Gott sagt zu uns: „Sprich die Wahrheit, erzähle nicht von deinen Umständen, sondern sprich die Wahrheit! Du bist verbunden und bereits an mein Wort gebunden.“

3. Das Obergewand mit Granatäpfeln und goldenen Schellen

Besonders interessant ist, dass am Saum des Obergewandes unter dem Ephod abwechselnd Granatäpfel und goldene Schellen angebracht waren. Was symbolisieren diese? In einem Wort: die frohe Botschaft – das Evangelium.

Die Granatäpfel – Leben in Fülle

Der Granatapfel ist eine besondere Frucht – ihre Samen sind essbar und das Leben der Samen ist dicht in ihr gepackt. In jedem Samen ist Leben da. Genauso hat jeder Christ in seinem Leib ewiges Leben. Wenn solche Christen sich versammeln, bildet sich seine Gemeinde. Die Gemeinde ist äußerlich nicht schön, aber im inneren Teil ist sie voller Leben. Es ist das Bild der Gemeinde, in der Gläubige mit dem Samen des ewigen Lebens versammelt sind.

Wenn der Priester dieses Ephod bei der Arbeit im Heiligtum trägt – der Arbeit der Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen – hängen überall Granatäpfel. Das bedeutet: Während wir Christen Gemeinschaft mit Gott haben und in Gottes Herz und Willen eintreten, während wir uns in seinem Wort baden, werden Früchte des Lebens in uns hervorgebracht.

Die goldenen Schellen – Das klingende Evangelium

Die Schellen dienen dazu, Klang zu erzeugen. Sie verkünden, dass sich der Hohepriester Gott nähert. Sie zeigen, dass seine Schritte gerade auf dem Weg zu Gottes Angesicht sind.

Dieser Klang der Schellen ist der Beweis dafür, dass der Hohepriester gerade alle Barrieren zwischen Gott und den Menschen niederreißt. Auch wenn wir diese Szene nicht direkt sehen können, können wir es durch den Klang wissen. Wir haben Jesus Christus nicht mit eigenen Augen gesehen, sondern gehört. Wir haben das Evangelium gehört und geglaubt, was am Kreuz vollbracht wurde. Selig sind, die hören und glauben! Die Verkündigung des Evangeliums wird niemals aufhören.

Die Schrift sagt:

„Und Aaron soll ihn anhaben, wenn er dient, dass man seinen Klang höre, wenn er hineingeht ins Heiligtum vor den HERRN und wieder herauskommt; so wird er nicht sterben.“ (2. Mose 28,35)

Während wir das Evangelium verkünden, muss Gott unser Leben segnen und beschützen. Während Aaron diesen Klang der Schellen erzeugt und Gottes Werk im Heiligtum tut, gibt es für Gott keinen Grund, ihn sterben zu lassen.

4. Das goldene Stirnblatt – „Heilig dem HERRN“

„Du sollst auch ein Stirnblatt aus reinem Gold anfertigen und in Siegelgravur eingravieren: ‚Heilig dem HERRN‘.“ (2. Mose 28,36)

Der einzige Weg zur Heiligkeit

Was macht uns heilig für Gott? Es gibt nur einen Weg, wie wir heilig sein können: Das Kreuz Christi zu glauben und seine Gerechtigkeit als unsere anzunehmen. Nicht mehr unsere Gedanken und unser Stolz sollen in unserem Kopf herrschen, sondern wir sollen Gottes Herrlichkeit und Heiligkeit als unsere annehmen und glauben.

„Und es soll auf Aarons Stirn sein, damit Aaron die Verschuldung in Bezug auf die heiligen Gaben trage, welche die Kinder Israels darbringen, bei allen ihren heiligen Gaben. Und es soll allezeit auf seiner Stirn sein, um sie wohlgefällig zu machen vor dem HERRN.“ (2. Mose 28,38)

Durch dieses Stirnblatt auf Aarons Stirn kann er die Schuld der heiligen Gaben tragen, die das Volk darbringt. Dadurch können sie immer vor dem HERRN wohlgefällig sein.

„Geheiligt werde dein Name“

Denken Sie an das erste Gebet des Vaterunsers: „Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name.“

Wie kann Gottes Name geheiligt werden? Als Sünder würden wir seinen Namen entheiligen, wenn wir Gott „Vater“ nennen würden. Aber wenn ein Sünder seine Sünden durch Christi Blut gewaschen hat und gerecht geworden ist und als Gerechter Gott „Vater“ nennt, dann heiligt das Gottes Namen.

Jesus hat uns zwar diese Art des Gebets beigebracht, allerdings hat er dieses Gebet durch sich selbst erfüllt und hat uns gerecht und heilig gemacht, sodass der Name des Vaters geheiligt wurde.

Wahre Heiligkeit durch Einheit

Wie an seinem Haupt „Heilig dem HERRN“ steht, so macht der Allmächtige durch seinen Sohn Jesus Christus uns heilig, sodass sowohl Gott heilig ist als auch die, die an ihn glauben, heilig sind, und macht beide zu einem. Das ist wahre Heiligkeit.

„Denn sowohl der, welcher heiligt, als auch die, welche geheiligt werden, sind alle von einem. Aus diesem Grund schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu nennen.“ (Hebr 2,11)


Schluss: Unser ewiger Hohepriester

Welch eine wunderbare Offenbarung Gottes durch diese Priestergewänder! Jedes Detail zeigt uns das Herz unseres Hohenpriesters Jesus Christus:

  • Die Schulterstücke zeigen, dass er alle unsere Sünden und Lasten trägt
  • Das Brustschild offenbart, dass wir für immer in seinem Herzen eingraviert sind
    und durch die Anerkennung seines neuen Bundes mit Ihm übereinstimmen
  • Die Granatäpfel symbolisieren das ewige Leben, das in uns wächst
    und die Schellen verkünden das Evangelium, das niemals verstummt
  • Das Stirnblatt reflektiert, dass wir durch Jesus heilig vor Gott stehen

Wie Melchisedek für Abraham, so steht Jesus Christus heute für uns ein – nicht nur als König, sondern als unser ewiger Hohepriester. Durch ihn haben wir freien Zugang zum Vater. Durch ihn sind wir angenommen, geliebt und für immer gesichert.


Fortsetzung folgt in: Melchisedek III – König von Salem, König der Gerechtigkeit

Im nächsten Teil werden wir die tiefere Bedeutung der Namen und Titel Melchisedeks erforschen: Was bedeutet es, dass er König von Salem (Friede) und König der Gerechtigkeit ist? Und warum sagt die Schrift, dass er ohne Anfang der Tage und ohne Ende des Lebens ist?


Diese Artikelserie basiert auf einer Auslegung der Bedeutung Melchisedeks und der Priestergewänder für unser Verständnis Jesu Christi als unseres Hohenpriesters. Sie lädt dazu ein, die tiefe Liebe Gottes zu uns durch die symbolische Sprache der Heiligen Schrift zu verstehen.

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