Melchisedek I – Die mächtige Begegnung mit Abraham

Bibeltext: 1. Mose 14,14-20


Einleitung: Das Verlangen, Gott zu sehen

Die Melchisedek Abraham Begegnung ist eine der mächtigsten Szenen der Bibel. Eine solche göttliche Begegnung hätten wir uns alle schon einmal gewünscht.

Haben Sie sich nicht auch schon einmal gefragt: „Wenn ich Jesus nur einmal begegnen könnte, wenn ich Gott nur einmal erblicken könnte – wie wunderbar wäre das! Wie würde er wohl aussehen?“

Gott zeigt sich den Menschen nicht in einer sichtbaren Gestalt, denn Gott ist Geist. Darum entfaltet und offenbart er sein Herz und seine Vorsehung für uns durch die Heilige Schrift.

Aber die Geschichten in der Bibel zeigen uns viel detaillierter Gottes Herz und das Wesen Jesu Christi, als nur Gottes äußere Erscheinung es könnte. Wenn wir heute Melchisedek betrachten, der Abraham erschien, dann ist es, als würden wir über Gottes Gestalt hinaus tief in sein Herz hineinblicken können. Als würden wir Jesus hierdurch tatsächlich sehen.

Nun werden wir durch diese Betrachtung Gott so sehen, als würden wir ihn mit unseren eigenen Augen erblicken.


Das Erscheinen Melchisedeks und seine Bedeutung

Abrahams Sieg und die Begegnung mit Melchisedek

Als Abraham hörte, dass sein Neffe Lot von feindlichen Königen verschleppt worden war, zog er mit 318 geübten Männern aus seinem Haus unverzüglich los. Er verfolgte die Feinde bis nach Dan und griff sie nachts überraschend an. Der Angriff gelang: Abraham schlug die Könige, trieb sie bis nördlich von Damaskus in die Flucht und brachte Lot, seine Familie und alle Güter zurück.

Auf dem Rückweg kam es zu einer besonderen Begegnung. Im Königstal trat Melchisedek auf, der König von Salem und Priester des höchsten Gottes. Er brachte Brot und Wein, segnete Abraham und erinnerte ihn daran, dass Gott selbst den Sieg geschenkt hatte. Daraufhin gab Abraham ihm den Zehnten von allem. (1. Mose 14,14-20)

Der geheimnisvolle Melchisedek

Dieser Melchisedek aus Kapitel 14 ist in der Bibel eine sehr geheimnisvolle, verschleierte Gestalt. Wie es in Vers 18 heißt: „Aber Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein herbei. Und er war ein Priester Gottes, des Allerhöchsten“ – er war ein Priester Gottes.

Bedenken Sie: In der Bibel vergehen noch 400 Jahre von Abrahams Zeit bis Mose kommt. Das bedeutet, es sind 400 Jahre bevor die von Gott bestimmte Stiftshütte und das Priestertum in der Schrift aufgezeichnet wurden. Dass hier aber ein Priester Gottes erscheint, zeigt uns, dass diese Person nicht einfach nur ein gewöhnlicher König oder Priester war.

Melchisedek als Schatten Jesu Christi

Als Melchisedek Abraham begegnete, brachte er Brot und Wein und segnete ihn (1. Mose 14,18). Brot und Wein bedeuten zweifellos Christi Leib, der unsere Sünden trug, und Christi Blut, das die von ihm getragenen Sünden reinwascht. Das heißt, Melchisedek begegnete ihm mit Brot und Wein, die Christi Leib und Blut symbolisieren. Hier steht Melchisedek als Schatten Jesu Christi vor Abraham.

Abraham war wohl noch berauscht von seinem Sieg und kehrte mit Freude und Stolz zurück. Doch gerade als er in sich selbst versunken war, sandte Gott ihm den Schatten seines Sohnes Jesus Christus entgegen.

Als Abraham diesem Melchisedek begegnete, erkannte er wahrhaft: „Ich habe einen König! Weil ich diesen König hatte, konnte ich einen solchen Sieg erringen! Dieser Sieg kam von Gott! Ich habe einen Priester, durch den ich zu Gott kommen kann!“

Der Hebräerbrief gibt uns den Schlüssel zum Verständnis:

„Dahin ist als Vorläufer für uns Jesus eingegangen, der Hohepriester in Ewigkeit geworden ist nach der Ordnung Melchisedeks.“ (Hebr 6,20)

Der neue und lebendige Weg

Weil Jesus hier unser Vorläufer wurde, müssen wir ihm folgen. Er ging vor uns in den Vorhang hinein und gab uns den neuen und lebendigen Weg. Ja, wenn wir dem Herrn folgen, werden wir diesen Weg gehen. Dieser Weg führt uns ins Allerheiligste, wo Gottes neuer Bund ist. Letztendlich ist das Allerheiligste der Ort, den wir erreichen müssen, wenn wir Jesus folgen.

Wenn wir in der Wiederholung verharren, Sünden zu bereuen, gereinigt zu werden, wieder zu bereuen und wieder gereinigt zu werden, dann bewegt sich dieser Glaube nur zwischen Brandopferaltar und Waschbecken hin und her, anstatt Jesus auf dem neuen und lebendigen Weg zu folgen. Wir geben nur unser Bestes im Rahmen des Gewissens und der menschlichen Möglichkeiten.

Abrahams Glaubensreform

Abraham kehrte mit einem großen Sieg und reicher Beute zurück. Doch das war nicht die Welt, in der er verweilen sollte. In diesem Moment erschien ihm Melchisedek als Schatten Christi und wies ihm den Weg des Glaubens.

Daraufhin vollzog sich eine erstaunliche Wende in Abrahams Glauben – eine wahre Glaubensreform. Gott führte ihn eines Tages aus seinem Zelt hinaus, das heißt aus dem Bereich seiner eigenen Gedanken, und ließ ihn zum Nachthimmel aufschauen. Da glaubte er endlich, ohne auf seine eigene Fähigkeit oder seinen Zustand zu achten, allein an IHN und seine Verheißung, indem er seinen Blick von sich selbst auf Gott richtete.

Das bedeutete: Er kam dazu, an den kommenden Christus zu glauben. So wurde er zum Fundament des Glaubens, zum Vater des Glaubens, der durch Glauben gerechtfertigt wird. Und so empfing er die Gerechtigkeit Gottes.

„Abram glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an.“ (1. Mose 15,6)


Das Wunder des Glaubens

Was für ein gewaltiger Moment in Abrahams Leben! Durch die geheimnisvolle Begegnung mit Melchisedek erkannte er, dass sein Sieg nicht sein eigener war, sondern Gottes Geschenk. Der König von Salem, Priester des Allerhöchsten, öffnete Abraham die Augen für eine viel größere Wahrheit: Er hatte einen himmlischen König, einen ewigen Hohenpriester.

Diese Erkenntnis veränderte alles. Abraham sah nicht mehr nur auf seine eigene Kraft, seine 318 Männer oder seine militärische Strategie. Er sah den lebendigen Gott, der hinter allem stand. In diesem Moment wurde sein Glaube von menschlichem Bereich zu göttlichem Vertrauen verwandelt.

Und so geschah das Wunder, das die ganze Heilsgeschichte prägen sollte:

„Denn was sagt die Schrift? 
»Abraham aber glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet«.“
(Römer 4,3)

Nicht durch Werke, nicht durch Siege, nicht durch menschliche Anstrengung – sondern durch Glauben wurde Abraham vor Gott gerecht. Derselbe Glaube steht auch uns heute offen. Derselbe Hohepriester, den Abraham in Melchisedek sah, steht auch für uns ein.

Welch eine Gnade, dass Gott uns durch diese alte Geschichte zeigt: Der Weg zu ihm führt nicht über unsere Leistungen, sondern über den Glauben an seinen Sohn, unseren ewigen Hohenpriester Jesus Christus.


Fortsetzung folgt in: Melchisedek II – Der Hohepriester und seine Gewänder

In der nächsten Folge werden wir entdecken, was es bedeutet, dass Jesus unser Hohepriester ist. Wie ein Priester arbeitet, was ihn von einem Propheten unterscheidet und wie uns Gott durch die detailreichen Beschreibungen der Priestergewänder in 2. Mose 28 das Herz Jesu zeigt.


Diese Artikelserie basiert auf einer Auslegung der Bedeutung Melchisedeks für unser Verständnis Jesu Christi als unseres Hohenpriesters. Sie lädt dazu ein, in der Person Melchisedeks den Schatten unseres Erlösers zu erkennen und die tiefe Liebe Gottes zu uns zu verstehen.

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