„Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Treue verlassen“ – Jesu letzter Appell

Problemstellung: Diejenigen, die das Wichtigere des Gesetzes verlassen haben

In Matthäus 23:23 sagte Jesus: „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! … ihr habt das Wichtigere im Gesetz verlassen: die Gerechtigkeit, die Barmherzigkeit und die Treue.“ Diese Worte gehen über die einfache Anprangerung der Heuchelei der religiösen Führer hinaus und enthalten eine zentrale Botschaft, die zeigt, was der Mensch vor Gott ist und was der wahre Weg der Erlösung ist.

Was bedeutet es hier, „das Wichtigere des Gesetzes, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue verlassen zu haben“?

Dies ist nicht einfach eine falsche Glaubensmethode, sondern ein Wort, das eine tiefe Wahrheit über den grundlegenden Zustand des Menschen offenbart, der Gottes Heilsplan verworfen hat.

Hauptteil

1. Teil: Die Gerechtigkeit des Gesetzes – Das Wesen des Gesetzes und die Grenzen des Menschen

Gottes Gerechtigkeit und die Sündhaftigkeit des Menschen, wie sie das Gesetz offenbart

Das Gesetz ist nicht nur eine einfache Norm, sondern offenbart Gottes Gerechtigkeit und heiligen Charakter. Je mehr ein Mensch vor ihm steht, desto klarer wird seine schmutzige Sündhaftigkeit offenbart, und schließlich wird deutlich, dass er ein Wesen ist, das das Gesetz nicht halten kann. Das Gesetz ist kein Mittel, um den Menschen gerecht zu machen, sondern vielmehr ein Spiegel, der Sünde und Unfähigkeit aufzeigt. Daher erkennt ein Mensch, der dem Gesetz gegenübersteht, dass er ein Wesen ist, das dem Gericht unterworfen werden muss, und kommt zu dem Schluss, dass durch das Gesetz keine Gerechtigkeit erreicht werden kann.

Verzweiflung und Verworfenheit vor dem Gesetz

Auch wenn das Gesetz den Weg des Segens aufzeigt mit „Haltet die heiligen Gebote und handelt danach, dann werdet ihr Segen erlangen“, kann der Sünder dieses Gesetz, das Gottes heiligen Charakter offenbart, nicht halten und daher nicht auf dem Weg des Segens gehen. Das Gesetz bestätigt den Menschen vielmehr als „einen, der bereits vom Weg des Segens ausgeschlossen ist, einen Verworfenen“. Infolgedessen verlieren alle Anstrengungen und Taten des Menschen ihre Bedeutung, und er muss anerkennen, dass durch die Anforderungen des Gesetzes keine Erlösung oder Gerechtigkeit mehr erlangt werden kann.

2. Teil: Die Barmherzigkeit des Gesetzes – Der Übergang von Werken zur Barmherzigkeit

Der Weg der Barmherzigkeit öffnet sich in der Verzweiflung

Doch gerade an diesem Ort öffnet sich ein Weg. Derjenige, der vom Gesetz verworfen wurde, richtet seinen Blick nur noch auf Gottes Barmherzigkeit (Gnade) außerhalb des Gesetzes. Da für ihn nur das Gericht bleibt, gibt es keine Hoffnung außer Gottes einseitiger Barmherzigkeit. Wenn er diesen Weg der Barmherzigkeit betritt, beginnt erst die wahre Erlösung.

3. Teil: Der Glaube des Gesetzes – Das Erscheinen des Glaubens und Jesus Christus

Derjenige, der auf Barmherzigkeit hofft, geht bald zum Glauben über. Dieser Glaube ist nicht einfache Gewissheit, sondern Glaube, der Gottes Barmherzigkeit vertraut. Und dieser Glaube ist notwendigerweise mit Jesus Christus verbunden.

„Darum wird kein Fleisch durch Werke des Gesetzes vor ihm gerecht sein … Nun aber ist ohne Gesetz die Gerechtigkeit Gottes offenbart worden …“ – Römer 3:20-21

Demjenigen, der erkennt, dass er das Fleisch ist, das durch das Gesetz nicht gerecht gesprochen werden kann, und der auf Barmherzigkeit hofft, wird die Gerechtigkeit Gottes, die außerhalb des Gesetzes offenbart wurde – nicht das Gesetz, sondern das, was außerhalb des Gesetzes offenbart wurde – Jesus Christus begegnen lassen. Wer auf Gottes Barmherzigkeit hofft, wird schließlich Jesus Christus begegnen und in ihm Rechtfertigung erlangen.

4. Teil: Die tiefe Bedeutung von Jesu Fluch, der in Matthäus 23 als Ganzem erscheint

Satans Täuschung und die Selbstgerechtigkeit des Menschen

Matthäus 23 ist durchgängig eine Verkündigung des Fluches mit „Wehe euch“. Jesus verfluchte jedoch nicht nur die spezifische Gruppe der Pharisäer und Schriftgelehrten. Das Wesen des Problems ist nicht die Bosheit und Sünde des Menschen, sondern dass der Mensch von Satan getäuscht wurde, weder sein eigenes Bild unter dem Gericht entdeckt noch den Weg der Barmherzigkeit geht, sondern nur darauf versessen ist, sich selbst gerecht erscheinen zu lassen und sich selbst zu korrigieren. Satan verbirgt die Tatsache, dass der Mensch bereits unter dem Gericht steht, und lässt ihn sein ganzes Leben darauf konzentrieren, sich selbst zu korrigieren und zu verbergen.

„Sie erkennen die Gerechtigkeit Gottes nicht und suchen ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten und haben sich so der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen.“ – Römer 10:3

Als Adam und Eva sündigten, hatte Gott bereits gesagt, dass sie an dem Tag, an dem sie von der Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen essen würden, gewiss sterben würden, so dass sie in Gottes Augen bereits tote Wesen waren. Aber sie erkannten nicht, dass sie tote Wesen waren. Deshalb sind sie wie Menschen, die völlig damit beschäftigt sind, ihre schändlichen Teile mit Feigenblättern zu bedecken.

Diejenigen, die auf dem falschen Platz sitzen

In Matthäus 23:2 sagt Jesus: „Die Schriftgelehrten und Pharisäer haben sich auf Moses‘ Stuhl gesetzt.“ Aber sie haben den Platz verlassen, wo sie sein sollten, nämlich den Platz als Kinder des Ungehorsams, die unter der Sünde gefangen sind (Gal 3:22). So sind sie Satans Täuschung verfallen und haben sich auf Moses‘ Stuhl gesetzt. Während sie das Gesetz verkündeten, haben sie selbst den Zweck des Gesetzes verlassen, nämlich den Weg, der durch das Gericht zur Barmherzigkeit führt.

5. Teil: Jesu Schrei

Die Lehre aus der Geschichte von Jakob und Esau

Dieses Prinzip zeigt sich auch in der Geschichte von Jakob und Esau. Gott verfluchte Esau nicht direkt, sondern verwarf Esaus Herz, das durch eigenen Eifer und Bedingungen Segen erlangen wollte. Isaaks Verfluchung Esaus war nicht einfach eine Diskriminierung seines Sohnes, sondern ein Fluch über den Weg, Segen durch eigene Gerechtigkeit zu erlangen.

Das Wort „Der Größere wird dem Kleineren dienen“ bedeutet, dass Esau auf seine eigene Weise keinen Segen empfangen kann, und dass er nur dann gemeinsam Segen empfangen kann, wenn er in den Gnadenbund eintritt, der Jakob gehört.

Der Ruf zur Erlösung durch den Fluch

Daher ist Jesu „Wehe euch“ kein einfach destruktiver Fluch. Es ist eine Warnung und ein Ruf zur Erlösung für dieses Zeitalter, das von Satans Täuschung getäuscht wurde und auf Moses‘ Stuhl sitzen möchte. Der Fluch ist Gottes Werk, um Menschen zu erwecken und zur Umkehr zu bringen. So wie Esau auf dem Weg seiner eigenen Gerechtigkeit verworfen wurde, aber nur in Jakobs Gnade am Segen teilhaben konnte, ist Jesu Tadel Gottes inbrünstiger Ruf, die Menschen zu Gottes Gnade und der Gerechtigkeit Jesu Christi zurückzubringen.

Schluss

Jesu letzter inbrünstiger Appell

Dieses Wort war Jesu inbrünstigster und letzter Appell, den er kurz vor seiner Kreuzigung machte. „Euer Weg ist bereits gescheitert. Ihr dürft nicht weiter auf diesem Weg stehen. Steigt herab von Moses‘ Stuhl. Und erkennt, dass ihr unter dem Gericht steht, und kommt auf den neuen Weg, den Gott geöffnet hat!“

„Ich trage alle eure Sünden und gehe ans Kreuz, ich habe bereits den Weg der Gerechtigkeit bereitet, warum sitzt ihr noch auf Moses‘ Stuhl und könnt noch nicht loslassen?“

Jesus schreit auch heute noch zu den Menschen, die auf dem Weg der Werke stehen und durch Selbstverbesserung Segen erlangen wollen, wie ein Retter, der die Menschen auf der sinkenden Titanic bis zum letzten Moment nicht aufgibt und sie in Rettungsboote zu retten sucht.

Deshalb erscheint dieses Matthäus 23 oberflächlich als Fluch und harte Zurechtweisung, aber es enthielt Jesu Inbrunst, um zur Erlösung zu führen.

Auch heute stehen wir vor diesem Wort. Vor diesem inbrünstigen Appell Jesu müssen wir unsere eigene Gerechtigkeit, von der wir sagen, dass wir für Gott und für das Evangelium geopfert haben, völlig ablegen.

Und nur die Worte, die Jesus Christus spricht, seien es Segen oder Fluch, müssen wir so annehmen, wie sie sind. Wenn diese Worte über uns kommen, dann leeren sie alle meine Gerechtigkeit, die wie Bodensatz in meinem Herzen existiert, völlig aus und lassen mich vor Gottes Barmherzigkeit treten.

Dann zeigt Jesus sich uns klar. Dass er alle unsere Sünden getragen und ans Kreuz gegangen ist, dass er am Kreuz alle meine Sünden vergeben hat, dass er mit seinem Blut auferstanden ist und es im himmlischen Heiligtum dargebracht hat und so ewige Versöhnung vollbracht hat, und dass er uns als gerecht erklärt hat.

Wenn Jesu Fluch ins Herz kommt, wird so durch die Tür der Barmherzigkeit der neue und lebendige Weg des Lebens sichtbar, und wir gehen durch diesen Weg hindurch, erlangen Gottes Gerechtigkeit und leben ein erfülltes Leben.

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