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Ein Leben, bekleidet mit Christus

„Denn ihr alle, die ihr in Christus getauft seid,
habt Christus angezogen.“


1. Wo verändert sich der Ausgangspunkt des Lebens?

Christus angezogen – Taufe und neues Leben:
Diese drei Begriffe stehen im Mittelpunkt dessen, was wir heute gemeinsam betrachten wollen.

Beim letzten Mal haben wir gemeinsam zwei unterschiedliche Ausgangspunkte des Glaubens betrachtet.
Die einen kannten nur die Taufe des Johannes, die anderen hatten die Taufe im Namen Jesu Christi empfangen.

Die Taufe des Johannes hatte zweifellos eine Bedeutung.
Sie führte den Menschen dazu, seine eigene Sünde zu erkennen und umzukehren. Der Mensch sah seinen Zustand und gelangte bis zu dem Punkt der Buße vor Gott.

Doch darin lag auch eine Grenze.

Die Taufe des Johannes führte zwar bis zur Umkehr,
aber sie gab nicht die Kraft, das Leben danach zu führen.
Dieser Glaube begann weiterhin aus menschlicher Entschlossenheit und Anstrengung.

Die Taufe im Namen Jesu hingegen gehört zu einer völlig anderen Dimension.

„Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Röm 6,4)

Die Taufe im Namen Jesu ist nicht lediglich ein Glaubensbekenntnis, sondern setzt voraus, dass ich mit Christus eins geworden bin. Das bedeutet: Mit Christus vereint zu sein, mit ihm gestorben zu sein und gemeinsam mit ihm aus dem Grab aller Sünde auferweckt worden zu sein.

Darum wollen wir heute eine zentrale Frage festhalten:

Wie verändert die Taufe im Namen Jesu tatsächlich unser Leben?

Galater 3,27 erklärt eindeutig:

„Denn ihr alle, die ihr in Christus getauft seid, habt Christus angezogen.“

Die Bibel sagt nicht, dass wir Menschen sind, die versuchen, Christus ähnlich zu werden.
Sie sagt, dass wir bereits Menschen sind, die Christus angezogen haben.

Daher lautet die Frage:

Was bedeutet es konkret im Leben, Christus angezogen zu haben?

Diese Frage trägt die gesamte folgende Betrachtung.


2. Bekleidet zu sein bedeutet: Die Funktion verändert sich

„Was man anzieht, verändert die Möglichkeiten des Lebens“

Heute existieren sogenannte Wearable-Roboter oder Exoskelett-Systeme.
Sie werden am Körper getragen, unterstützen Bewegungen und erweitern menschliche Fähigkeiten.

Die Eigenschaften solcher Geräte sind eindeutig.

Erstens: Erweiterung der Fähigkeit.
Ein Mensch kann allein kein schweres Objekt heben, doch mit dem Gerät wird es möglich.

Zweitens: Wiederherstellung von Funktionen.
Ein Mensch, der nicht gehen konnte, setzt wieder Schritte.

Der entscheidende Punkt ist folgender:

Nicht der Mensch selbst hat sich verändert,
sondern das, was er trägt, hat die Funktion seines Lebens verändert.

Der biblische Ausdruck „Christus angezogen haben“ besitzt dieselbe Struktur.

Wir bleiben weiterhin schwach.
Wir bleiben erschütterbar, selbstbezogen und begrenzt.
Unser Fleisch ist nicht plötzlich vollkommen geworden.

Doch wenn wir mit Christus getauft werden, ziehen wir Christus an. Und im Leben eines Menschen, der Christus angezogen hat, beginnt eine Richtung, die zuvor unmöglich war.

Ein Mensch, der nur für sich selbst lebte, beginnt sich anderen zuzuwenden.
Ein Mensch, der nach eigener Berechnung lebte, beginnt nach Gottes Willen zu entscheiden.

Es entstand keine neue Kraft aus dem Menschen selbst,
sondern ein neues Leben wirkt, weil Christus angezogen wurde.

Doch die Bibel bleibt hier nicht stehen.
Es gibt eine tiefere Veränderung als nur die der Funktion.


3. Bekleidet zu sein bedeutet: Identität und Autorität anzuziehen

Kleidung verändert nicht nur Funktionen.
Sie offenbart Position und Identität.

Als Angela Merkel Bundeskanzlerin war, handelte sie nicht als Privatperson. Sie repräsentierte ganz Deutschland. In dem Moment jedoch, in dem sie ihr Amt niederlegte, blieb sie zwar dieselbe Person, doch sie repräsentierte den Staat nicht mehr.

Der Mensch bleibt derselbe, doch das getragene Amt bestimmt Autorität und Stellung.

Genauso verhält es sich mit dem Bekleidet-Sein mit Christus.

Wir sind nicht einfach religiöse Menschen.
Wir sind Menschen, die unter den Namen Christi gestellt wurden und Christus repräsentieren.

Das ist kein moralischer Aufruf, bessere Menschen zu werden.

Wenn wir in einem Brief „i. A.“ schreiben, handeln wir im Auftrag eines anderen. Wer als Vertreter oder Sprecher auftritt, spricht öffentlich nicht mehr aus eigener Stellung heraus, sondern aus der Identität dessen, den er vertritt.

Ebenso bedeutet Christus anzuziehen, als Vertreter Christi vor der Welt zu stehen — im Namen Christi selbst. Anders gesagt: So wie Gott Jesus Christus liebt, hilft und führt, so liebt, hilft und führt er auch uns, die wir Christus angezogen haben.

Das ist eine eindeutige Veränderung der Identität.

Darum verändert sich auch zwangsläufig der Maßstab des Lebens:

  • Nicht mehr: Was will ich?
  • Sondern: Was ist das Herz Christi?

Hier entsteht die nächste Frage:

Wie zeigt sich diese Veränderung in der biblischen Geschichte?


4. Der Unterschied, sichtbar in der Geschichte

Die Richterzeit und das Auftreten Davids

In der Zeit der Richter traten viele Richter auf.
Durch Gottes Hilfe retteten sie Israel immer wieder aus Krisen.

Doch das Problem lag danach.

Sie erfuhren Gnade, lebten jedoch weiterhin nach dem, was ihnen selbst richtig erschien.
Die unmöglichen Probleme wurden durch Gottes große Gnade gelöst, doch sie blieben bei der Erfahrung der Gnade stehen. Ihr eigenes Herz wurde nicht verleugnet, und sie wurden nicht eins mit Gottes Willen.

Darum wurde Israel kein Ort, der Gottes Herrlichkeit offenbarte.

Gott suchte nicht nur Problemlöser.
Er suchte Menschen, die nach seinem Herzen entscheiden und seinem Willen folgen.

Schließlich wurde Samuel aufgerichtet.

„Einer, der nach meinem Herzen und meinem Willen handeln wird.“

Durch ihn wurde David gesalbt.

Über David sagt die Bibel:

„Ein Mann nach meinem Herzen.“

Von diesem Zeitpunkt an war Israel nicht länger ein Volk, das ständig unter Umständen litt und nur gelegentlich durch Gnade entkam. Es wurde ein Reich, das Gottes Absicht verwirklichte, den Tempel errichtete und Gottes Herrlichkeit offenbarte.

Genau an diesem Punkt verändert sich auch unser Glaube:

Vom Glauben, der nur Probleme gelöst bekommt,
zum Glauben, der mit Gottes Herzen lebt.

Das ist das Leben eines Menschen, der Christus angezogen hat.


5. Der Glaube, der an der Grenze des Menschen sichtbar wird

Im Alltag begegnen wir ständig unseren Grenzen.
Dinge erscheinen unmöglich, Angst entsteht, Berechnung beginnt.

Aus menschlicher Sicht ist diese Einschätzung nicht falsch.

Doch die Aussage, Christus angezogen zu haben, gründet nicht auf menschlicher Möglichkeit, sondern auf der Möglichkeit Christi.

Wenn jemand ein Exoskelett trägt, aber weiterhin nur seine eigene Muskelkraft berechnet, wird er sich nicht bewegen. Erst wenn er dem Gerät vertraut, beginnt eine neue Bewegung.

Genauso bleibt ein Mensch innerhalb seiner Grenzen, wenn er nicht glaubt, Christus angezogen zu haben.

Doch wenn ein Mensch im Werk Christi vorangeht, wirkt Gott selbst.

Wer glaubt, als Vertreter Christi auf dieser Erde zu stehen, wird andere Entscheidungen treffen. So wie jemand, der ein Wearable-Gerät besitzt, beginnt, Berge zu besteigen, die zuvor unerreichbar waren, so beginnt der Mensch, der glaubt, Christus angezogen zu haben, Dinge zu wählen und herauszufordern, die nur Christus tun kann.

Diese Wege erscheinen unmöglich und töricht. Deshalb wird Gottes Gnade unvermeidlich notwendig. Wenn Gott nicht hilft, bleibt nur Scham und Verachtung. Doch weil dieser Weg mit Gottes Willen übereinstimmt, wirkt der Herr selbst darin.

Wenn der Herr hilft, wird derselbe Mensch durch Gottes Hilfe zum glücklichsten und kraftvollsten Menschen.


6. Schluss — Warum wir das Gewand Christi brauchen

Christus angezogen zu haben ist kein bloßer religiöser Ausdruck.

Die Funktion des Lebens hat sich verändert,
die Identität des Lebens hat sich verändert,
die Richtung des Lebens hat sich verändert.

Ein Mensch Gottes ist ein Mensch, der das Herz Christi trägt.
Darum wählt er Wege, die Gott gefallen, und erlebt darin die lebendige Wirklichkeit Gottes.

Gleichzeitig wird eine Wahrheit deutlich:

Dieses Leben kann keinen einzigen Tag ohne Gnade bestehen.

Darum brauchen wir auch heute Gnade.
Auch heute brauchen wir das Gewand Christi.

Wenn wir Christus anziehen und leben,
erscheinen Werke Gottes, die menschliche Grenzen übersteigen.

Und genau das ist
das Leben eines Menschen, der mit Christus bekleidet ist.

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