Ein neuer König, der Josef nicht kannte

„Da kam ein neuer König auf über Ägypten, der wusste nichts von Josef.“ (2. Mose 1:8)

Historischer Hintergrund: Der Aufstieg einer neuen Dynastie

Um den historischen Hintergrund dieser Bibelstelle zu verstehen, betrachten wir die biblische Chronologie. Ausgehend vom Jahr 957 v. Chr., als König Salomo mit dem Tempelbau begann, können wir rückrechnen: Der Exodus fand 480 Jahre zuvor statt, also um 1446 v. Chr. (1. Könige 6:1).

Da Mose zu dieser Zeit 80 Jahre alt war, können wir den Zeitrahmen von Exodus 1 auf etwa 1526 v. Chr. datieren. Genau in dieser Epoche ereignete sich ein bedeutsamer Wandel in der ägyptischen Geschichte: Die semitische Hyksos-Dynastie wurde vertrieben, und um 1540 v. Chr. etablierte sich die 18. Dynastie als rein ägyptische Herrscherlinie.

Der Begründer dieser neuen Dynastie war Ahmose I., unter dessen Herrschaft Ägypten seine größte Blütezeit erlebte. Nach der Vertreibung der semitischen Dynastie war die Unterdrückung der ebenfalls semitischen Israeliten eine fast unvermeidliche Konsequenz.

Die wahre Bedeutung des „Nicht-Kennens“

Doch wenn die Bibel vom „neuen König, der Josef nicht kannte“ spricht, geht es nicht um mangelnde Information über Josef.

Josef war Ägyptens Premierminister geworden und hatte durch seine Weisheit das Land vor einer siebenjährigen Hungersnot bewahrt, die das gesamte ägyptische Volk vernichtet hätte. Ohne Josef wäre Ägypten völlig zugrunde gegangen.

Diesen Josef „nicht zu kennen“ bedeutet, die Wurzeln der eigenen Existenz zu verleugnen. Es offenbart die menschliche Hartnäckigkeit, unseren Schöpfer und Erlöser nicht anzuerkennen und ihn auch nicht kennen zu wollen.

Die Gefahr der hochmütigen Selbstständigkeit

Vergesslicher Hochmut

Der neue König dachte, er säße durch seine eigene Weisheit und Fähigkeit auf dem Thron. Dabei übersah er die grundlegende Tatsache, dass dieser Thron ohne Josef gar nicht existiert hätte.

Dies zeigt unser fleischliches Wesen – wir erkennen nicht, wem wir unsere heutige Position verdanken. Wie Römer 1:28 beschreibt, wollen Menschen „Gott nicht in ihrer Erkenntnis haben“ und setzen stattdessen ihre eigenen Gedanken und Urteile an Gottes Stelle.

Die Folgen selbstzentrierten Denkens

Ägypten unter dem König, der Josef nicht kannte, symbolisiert zweierlei:

  • Im Kleinen: unser eigenes Leben, wenn unsere Gedanken zum Maßstab und Herrscher werden
  • Im Großen: eine Welt, die vom Geist des Ungehorsams geleitet wird

Alle Plagen und Probleme im Buch Exodus haben ihren Ursprung darin, dass die Weisheit über Josef verloren ging.

Die Bedeutung der Erkenntnis Jesu

Die Quelle der Weisheit

Josef war Ägyptens Beschützer. Solange die früheren Könige ihn ehrten, genossen sie himmlische Weisheit, und dadurch blieben Reich und Thron erhalten. Ebenso herrscht Friede in unserem Herzen und die Kraft, Probleme in Segen zu verwandeln, solange wir Jesus erkennen.

Die Gefahr des „Jesus-Mangels“

Sobald wir Jesus nicht mehr erkennen, sind wir darauf angewiesen, alles mit unserem eigenen Verstand und unserer eigenen Kraft zu berechnen und zu lösen. Wie bei Sauerstoffmangel, der zu irrationalen Entscheidungen und Bewusstseinsverlust führt, gibt es auch einen „Jesus-Mangel“ in unserem Leben.

Wenn Christus in unserem Herzen fehlt, wird unser Leben chaotisch. Wir stolpern über Kleinigkeiten, werden von geringfügigem Neid und Hass gefangen genommen und leiden unter Depressionen und Süchten.

Der Schlüssel zur wahren Problemlösung

Wer regiert dein Herz?

Wir kämpfen verzweifelt mit unseren Problemen und schwierigen Umständen und konzentrieren uns ausschließlich auf deren Lösung. Doch der wahre Schlüssel liegt in der Frage: „Was beherrscht dein Herz?“

Entscheidend ist, was in deinem Herzen wohnt und dich regiert. Ist es Christi Wort oder sind es deine eigenen Gedanken? Wie bei einem Becher, dessen Wert nicht durch seine Form, sondern durch seinen Inhalt bestimmt wird, entscheidet das, was unser Herz erfüllt, über den Wert und die Richtung unseres Lebens.

Die Grenzen menschlicher Weisheit und die Notwendigkeit göttlicher Weisheit

Wer Josef nicht kennt, ist bedauerlicherweise darauf angewiesen, nur mit der Weisheit seines eigenen Herzens zu leben. Wenn er auf Probleme stößt, die seine Weisheit übersteigen, muss er scheitern und leiden.

Wenn Menschen den Glauben an Gott verlieren, folgen sie scheinbar kluger menschlicher Weisheit und ernten die Früchte dieser Gedanken. Denn die Weisheit, die ich für mich selbst entwickle, ist letztendlich nicht meine eigene, sondern satanische Weisheit.

Schlussfolgerung: Jesus Christus erkennen

Wie der Pharao, der sich mit seiner eigenen Weisheit schützen wollte und dadurch in Opposition zu Gott geriet und zugrunde ging, liegt die wahre Lösung unserer Lebensprobleme darin, Jesus Christus zu erkennen.

„So lasst uns [ihn] erkennen, ja, eifrig trachten nach der Erkenntnis des HERRN!“ (Hosea 6:3)

Stehen heute Probleme und Schwierigkeiten vor dir? Anstatt mit aller Kraft zu versuchen, diese Probleme zu lösen und den Schwierigkeiten zu entkommen, lege für einen Moment deine eigene Weisheit und Anstrengung beiseite. Bringe deine Sorgen zu Christus und vertraue sie ihm an. Während dein Herz mit ihm verbunden ist, wirst du sehen, dass deine Probleme in seinen Händen liegen.

Lass uns nicht die Torheit des neuen Königs wiederholen, der Josef nicht kannte. Stattdessen wollen wir ein weises Leben führen, indem wir Jesus Christus, unseren Erlöser, immer besser kennenlernen.

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